Odessa - Odesa

Mit Aufenthalten in Kiew und einer Exkursion nach Bilhorod Dnistrowskyj und Schabo

„Eine großartige Reise, die mit der Rückkehr nicht beendet ist. Denn: jetzt beginnt die Auseinandersetzung noch einmal neu!“ (Silke Kujawski, April 2011)

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Termine:
  • 30.3.-8.4.12  buchen
  • 17.8.-26.8.12  buchen
Preis:
  • Reisepreis: € 995,-
  • Bei eigener An-/Abreise bis/ab Kiew: € 790,-; bis/ab Odessa: € 750,-;
  • Über Flugmöglichkeiten informieren wir Sie gerne
Kombinierbar mit: Landkarte der Reise anschauen

In der nicht zuletzt durch ihr südländisches Flair bestechenden Schwarzmeermetropole erwarten Sie folgende Themen:
● Gründung, Aufbau, Aufblühen: Architektur und Bedeutung des Handels
● Multikulturalität und Lokalpatriotismus: russische, jüdische, ukrainische, griechische, französische, italienische und deutsche Odessiten
● Kunst in der Stadt: Literatur (Puschkin, Babel u.v.a.), Musik (Tschaikowski), Film (Eisenstein)
● Pogrom, Potemkin, Putsch: Die Jahre 1904/05 und 1917/18
● Die deutsch-rumänische Besatzung 1941–44
● Jüdisches Leben einst und heute
● Der zweifelhafte Ruf der Odessiten in der Sowjetunion
● Die aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Situation der Ukraine
● Tagesexkursion nach Bilhorod Dnistrowskyj und Schabo: Deutsche Dörfer, eine mittelalterliche Festung am Dnister und Weinbau in der Ukraine
● Durch zahlreiche Gespräche mit Odessiten (u.a. Literaturexpertin, Mitglied der jüdischen Gemeinde, Rabbiner, Sozialarbeiterin, Journalist) erhalten Sie Informationen aus erster Hand

„Hier atmet man ganz Europa“

Odessa ist eine junge Stadt. Zwar gehen die Ursprünge schon auf eine im 11. Jh. zerstörte, 200 Jahre später von Slawen neu errichtete Siedlung zurück, die im 16. Jh. von den Osmanen eingenommen und 1764 zur Festung ausgebaut wurde. Seine Bedeutung als Stadt erlangte der Ort an der Schwarzmeerküste jedoch erst, nachdem er unter der Zarin Katharina 1789 von Russen und Kosaken erobert und 1794 ein Kriegs- und Handelshafen angelegt worden war.

Internationale Handelsmetropole
Im Folgenden spielte der Handel eine bedeutendere Rolle als der Krieg. Unter Gouverneur Richelieu, dem vor der Französischen Revolution geflohenen Nachfahren des bekannten Kardinals, erlebte die Stadt ein rasches Aufblühen zur internationalen Handelsmetropole. Auf den Straßen Odessas hörte man über 20 Sprachen, in den Geschäften wurde überwiegend italienisch gesprochen, die wichtigsten Zeitungen erschienen in französischer Sprache. Alexander Puschkin, der 1823/24 nach Odessa verbannt war, erschien es, dass „man hier ganz Europa atmet“.
Die angesehensten Architekten des Kontinents wurden geholt. Ihre Bauten prägen das Stadtbild bis heute. Als herausragende Beispiele seien hier nur die berühmte, von Boffo und Melnikov entworfene Treppe zum Hafen und die vom Wiener Architektenpaar Helmer/Fellner geplante Oper, die sowohl Premieren von Tschaikowskis Werken als auch Gastspiele Carusos erlebte, genannt. Im Unterschied zu ihren Kollegen in anderen Städten mussten die Odessaer Bauarbeiter keine Ketten tragen, was der Schwarzmeermetropole ihren Ruf als „freieste Stadt im Zarenreich“ eintrug.

Das jüdische Odessa
Einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung leisteten Juden. Anfang des 20. Jahrhunderts war Odessa das bedeutendste jüdisch-literarische und zionistische Zentrum im Zarenreich – dafür stehen u.a. die Namen Schabotinski, Pinsker, Dizengoff, Bialik, Alejchem – und beherbergte die nach Warschau größte jüdische Gemeinde. Sowohl im Zuge der Niederschlagung des Generalstreiks 1905, dem sich die Matrosen des Panzerkreuzers Potemkin (sprich: Patjomkin) anschlossen, als auch im Bürgerkrieg, in dem die Stadt 1918–1920 Stützpunkt der „Weißen“ unter General Denikin war, fielen Odessaer Juden Pogromen zum Opfer.
Am Vorabend der deutsch-rumänischen Okkupation lebten 180.000 Juden (40% der Einwohner) in Odessa. Etwa die Hälfte von ihnen flüchtete noch rechtzeitig ostwärts. Fast alle anderen wurden von den Besatzern unter tätiger einheimischer und „volksdeutscher“ Mithilfe in der Stadt oder in den Lagern Transnistriens, zu dessen Hauptstadt Odessa wurde, ermordet. 1959 lebten wieder 102.000 Juden in der Stadt. Angesichts der nivellierenden sowjetischen Politik erlangte das jüdische Kulturleben jedoch nicht wieder seinen Status wie zu Beginn des Jahrhunderts.
Allgemein wurden die Odessiten aufgrund ihres Lokalpatriotismus, der sich mit internationalen Einflüssen mischte – Odessa unterhielt Schiffsverbindungen u.a. mit Barcelona, Piräus und Genua – von der Sowjetmacht misstrauisch beäugt. Seit der Erlangung der Unabhängigkeit der Ukraine ist, bei allen wirtschaftlichen und sozialen Problemen, eine alte neue Buntheit in die Stadt eingezogen. Auch das jüdische Leben erlebt trotz der Auswanderung Vieler mit drei religiösen Gemeinden und zahlreichen weltlichen Institutionen ein Wiederaufblühen. Geblieben ist die Besonderheit der Bewohner der Stadt und ihr Bewusstsein dafür: „Wir sind keine Russen, keine Ukrainer, keine Juden – Odessiten sind wir!“

Vorgesehenes Reiseprogramm

    1. Tag
    • Abfahrt ab Berlin nach Kiew (ca. 16.00 Uhr)
    2. Tag
    • Ankunft in Kiew (ca. 17.00 Uhr). Gelegenheit zu einer Stippvisite des reizvollen Kiewer Zentrums
    • Weiterfahrt (ca. 23.00 Uhr) im Schlafwagen nach Odessa
    3. Tag
    • Ankunft in Odessa (ca. 10.30 Uhr)
    • Zeit zur freien Verfügung/für einen ersten Orientierungsspaziergang
    • Besuch einer Vorstellung in der Odessaer Oper
    4. Tag
    • Annäherung an die Geschichte Odessas: Geführter Spaziergang durch die Innenstadt mit Bauten im Jugendstil, Klassizismus, Neogotik; Potemkin-Treppe mit Blick auf den Hafen, Oper, Börse. Besichtigung eines Teils der Odessaer Katakomben. Alltagsleben und Stadtentwicklung
    • Besuch eines Kinder-Sozialprojektes
    5. Tag Das jüdische Odessa:
    • Spaziergang zu Orten jüdischer Vergangenheit und Gegenwart im Stadtzentrum (u. a. Synagogen, die „erste Straße des künftigen israelischen Staates“, Gespräch mit einem Rabbiner, Wohnhäuser Jabotinskys und Bialiks)
    • Spaziergang durch die Moldowanka, ein “Arme-Leute-Viertel“ mit einst hohem jüdischem Bevölkerungsanteil (Wirkungsstätte von Isaak Babels Gangsterkönig Benja Krik) unter Einbeziehung der Odessaer Geschichten Babels
    6. Tag Tagesexkursion nach Bilhorod Dnistrowskyj und Schabo:
    • Fahrt am Meer und Haff entlang durch das ehem. deutsche Siedlungsgebiet (Ansiedlungen unter Katharina II.) über den Dnister/Dnjestr. Besichtigung der mittelalterlichen Festung (15. Jh.) in Bilhorod Dnistrowskyj (türk. Akkerman), einer der ältesten Städte Europas (2.500 Jahre)
    • Weinprobe in Schabo, ukrainisches Dorf gelegen in einem der drei ukrainischen Weinanbaugebiete
    7. Tag
    • Das literarische Odessa: Führung durch das Literaturmuseum. Die wichtigsten Schriftsteller und ihr Verhältnis zur Stadt: Puschkin, Mickiewicz, Gogol, Bunin, Babel, Katajew, Ilf, Petrow u. a.
    • Die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation der Ukraine: Gespräch mit einem Odessaer Journalisten
    • Zeit zur freien Verfügung
    8. Tag
    • Zeit zur freien Verfügung
    • Abfahrt nach Kiew (ca. 22.30 Uhr)
    9. Tag
    • Ankunft in Kiew (ca. 7.30 Uhr)
    • Weiterfahrt nach Berlin (ca. 9:30 Uhr)
    10. Tag
    • Ankunft in Berlin (ca. 8.30 Uhr)


    (Die Zwischenaufenthalte sowie die An- und Abreisezeiten per Bahn können sich aufgrund von Fahrplanaktualisierungen noch verändern)

Kosten und Leistungen

  • Reisepreis: € 995,-
  • Bei eigener An-/Abreise bis/ab Kiew: € 790,-; bis/ab Odessa: € 750,-;
  • Über Flugmöglichkeiten informieren wir Sie gerne

Im Preis enthalten sind:

  • Vorbereitungsmaterialien
  • Bahnreise Berlin–Kiew–Berlin im Schlafwagen (3-Bett-Abteile)
  • Bahnreise Kiew–Odessa–Kiew im Schlafwagen (4-Bett-Abteile)
  • 5 Übernachtungen im DZ (Bad/WC) im guten Mittelklassehotel “Ajwasowskyj“ in bester Zentrumslage
  • Halbpension (5 Tage)
  • Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL und ukrainische Reiseleitung)
  • Sicherungsschein


Zusätzliche Kosten (fakultativ):

  • Einzelzimmer: € 190,-
  • Schlafwagen Berlin-Kiew-Berlin im 2-Bett-Abteil, Kiew-Odessa-Kiew zu zweit im 4-Bett-Abteil: € 120,- p.P.



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