Czernowitz - Tscherniwzi
Mit Aufenthalten in Posen, Zablotow und einer Tagesexkursion nach Podolien (Chotyn am Dnister und Kamjanec Podilskyj)
„Nach dieser intensiven Woche mit vielen neuen Eindrücken sind wir gedanklich aber noch häufig in der Ukraine. Für die hervorragend vorbereitete und gut organisierte Reise möchten wir uns nochmals bedanken.“ (Reiseteilnehmerin aus Potsdam, Oktober 2011)
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Termine:
- 31.3.-8.4.12
- 14.7.-22.7.12
- 12.10.-20.10.12
Preis:
- Reisepreis: € 870,-
- Bei eigener An-/Abreise bis/ab Krakau: € 790,- (Zusteigemöglichkeit am 2. Reisetag gegen 7.00 Uhr in Krakau)
- Flugreise auf Anfrage möglich (bis/ab Lemberg oder Czernowitz)
Kombinierbar mit:
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Eine Reise in die Vielvölkervergangenheit: Rumänen, Ukrainer, Juden, Deutsche, Österreicher, Polen, Armenier lebten im „Babylon Mitteleuropas“ ... Eine Reise in die Literatur: Karl Emil Franzos, Rose Ausländer und Moses Rosenkranz, Itzig Manger und Elieser Steinbarg, Paul Celan und Selma Meerbaum-Eisinger, Gregor von Rezzori, Olha Kobyljanska und Mihai Eminescu wirkten im „Kleinwien des Ostens“ am Pruth ... Und eine Reise in ein Land, das nach Erlangung der Unabhängigkeit seinen Platz in Europa sucht.
Ein Tagesausflug nach Podolien (Chotyn und Kamjanec Podilskyj) bietet Einblicke in die Umgebung.
Zahlreiche Treffen (mit einem Literaturwissenschaftler und Celan-Übersetzer, Mitarbeiterinnen eines Drogenhilfeprojekts, einem Rabbiner, einem Journalisten) vermitteln Hintergrundwissen.
„Babylon Mitteleuropas“ und „Kleinwien des Ostens“
Czernowitz – die ursprünglich slawische Siedlung am Fluss Pruth – kam Anfang des 16. Jahrhunderts unter türkische Herrschaft und war dann ein Vierteljahrtausend Bestandteil des Osmanischen Reiches. Infolge des russisch-türkischen Krieges wurde die Stadt 1775 „österreich-ungarisch“ und zwölf Jahre später samt der sie umgebenden, landschaftlich sehr reizvollen und abwechslungsreichen Bukowina an das „Königreich Galizien und Lodomerien“ innerhalb der Doppelmonarchie angeschlossen. Unter der KuK-Herrschaft entwickelte sich Czernowitz rasch und wurde zur kleinen Großstadt ausgebaut. Die zu jener Zeit errichteten Gebäude sind zum großen Teil noch erhalten und prägend für das heutige Stadtbild.
Hauptstadt der Bukowina
Einen weiteren Entfaltungsschub brachte die 1849 verfügte Loslösung von Galizien, in deren Folge die Bukowina mit ihrer Hauptstadt Czernowitz zum autonomen Kronland in der Habsburger Monarchie mit eigener Verwaltung und (ab 1861) eigenem Landtag avancierte.
In das letzte Drittel des vorigen Jahrhunderts fallen die Gründung der Universität (1875) und die Anfänge Czernowitz’ als Literaturstadt. Karl Emil Franzos war der erste mit dem „Kleinwien des Ostens“ verbundene Schriftsteller von überregionaler Bedeutung. Ihm folgten Rose Ausländer, Moses Rosenkranz, Paul Celan, Selma Meerbaum-Eisinger, Gregor von Rezzori, Elieser Steinbarg, Itzig Manger, Olha Kobyljanska, Mihai Eminescu und viele andere, denen die Czernowitzer Atmosphäre zur Muse wurde. Fast die Hälfte der Einwohner von Czernowitz waren Juden. Die meisten von ihnen fühlten sich der deutschen Kultur zugehörig. Einen Kontrast zur assimilierten, städtischen jüdischen Bevölkerung bildeten die chassidischen Anhänger der Friedman-Zaddikim im Vorort Sadagora.
Das gute Zusammenleben der verschiedenen Völkerschaften scheint auch im nach dem 1. Weltkrieg rumänischen Cernauti – trotz einiger Rumänisierungsbestrebungen – kein bloßer Mythos gewesen zu sein. Die entscheidenden Brüche erfuhr die multikulturelle Gesellschaft ab 1940: Unter der einjährigen sowjetischen Herrschaft kam es zu Verhaftungen und Deportationen, die deutsche Bevölkerung wurde von Hitler „heim ins Reich“ geholt. Ab dem Sommer 1941 wurden viele Bukowiner Judenvon den deutschen "Einsatzgruppen" ermordet oder sie kamen in den rumänischen Lagern Transnistriens ums Leben.
Auch das sowjetukrainische Tscherniwzi blieb eine Vielvölkerstadt, die frühere Buntheit wurde jedoch durch die nivellierende staatliche Kulturpolitik fast gänzlich zum Verschwinden gebracht. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine (1991) weht – bei allen wirtschaftlichen und sozialen Problemen – ein frischer Wind durch Czernowitz: viele Gebäude erstrahlen in renoviertem Glanz, neue Cafés und Restaurants machen das Bild lebendiger, die Studenten erschließen sich durch die Auseinandersetzung mit den während der Sowjetzeit totgeschwiegenen deutschsprachigen Czernowitzer Dichtern neue geistige Welten. Die nationalen Minderheiten – besonders die jüdische – bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Anknüpfen an die frühere Tradition und Emigration.
Vorgesehenes Reiseprogramm
| 1. Tag |
- Abfahrt ab Berlin nach Posen (ca. 14.00 Uhr), Gelegenheit zu einer Stippvisite des schönen Marktplatzes
- Weiterfahrt mit dem Nachtzug nach Przemyśl (ca. 22.45 Uhr)
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| 2. Tag |
- Ankunft in Przemyśl (ca. 11.00 Uhr), Weiterfahrt mit dem Reisebus
- Ankunft in Czernowitz (gegen 22.00 Uhr)
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| 3. Tag |
- Stadtrundfahrt/-spaziergang: „Annäherung an Czernowitz“ (Altstadt mit Kirchen der verschiedenen Konfessionen, Ringplatz mit Rathaus, Herrengasse, Kulturhäuser der verschiedenen Nationalitäten – polnisch, deutsch, ukrainisch, rumänisch – , Theater. Abstecher ins „literarische Czernowitz“: Celan, Ausländer, von Rezzori)
- Besichtigung der ehem. Metropolitenresidenz (heute Universität)
- Zeit zur freien Verfügung
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| 4. Tag |
- Vortrag eines Literaturwissenschaftlers: „Czernowitz als Literaturstadt“
- Ausflug in die ehem. "deutsche" Vorstadt Rosch und auf den Cecinaberg
- Besuch der Stiftung „Neue Familie“ (Drogenhilfeprojekt)
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| 5. Tag |
„Das jüdische Czernowitz“:
- 1877 erbauter jüdischer Tempel - zu Sowjetzeiten
und bis heute Kino -, Haus der jüdischen Kultur, jüdisches Museum, ehem. Ghettogelände,
Geburtshäuser von Paul Celan und Rose Ausländer, jüdischer Friedhof,
Synagoge in der ehem. Brauhausgasse (Gespräch mit dem Rabbiner, Informationsgespräch beim jüdischen
Hilfsfond. Vorort Sadagora: bis 1940 Hochburg des Chassidismus, ehem. Residenz der Zaddikim der Friedman-Dynastie
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| 6. Tag |
Tagesexkursion nach Podolien:
- Chotyn: Zwischen Türken, Russen und Kosaken umkämpfte Festung am Dnister/Dnjestr
- Kamjanec Podilskyj: nach Kiew und Lemberg der Ort mit den meisten unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden in der Ukraine. Besichtigung der Festungsanlage, geführter Spaziergang durch die Altstadt (Gebäude, die auf die frühere polnische, jüdische, türkische, armenische, russische und ukrainische Bevölkerung verweisen)
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| 7. Tag |
- Gespräch mit einem Fachmann über die aktuelle
politische Situation in der Ukraine
- Zeit zur freien Verfügung
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| 8. Tag |
- Reisebusfahrt nach Przemyśl (kurzer Zwischenstopp in Zabolotiw/Zablotow, Geburtsort Manès Sperbers)
- Bahnfahrt (ca. 17.30 Uhr) nach Stettin/Szczecin
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| 9. Tag |
- Ankunft in Stettin (ca. 9.00 Uhr), Weiterfahrt nach Berlin
- Ankunft in Berlin (ca. 12.00 Uhr)
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(Die Zwischenaufenthalte sowie die An- und Abreisezeiten per Bahn können sich aufgrund von Fahrplanaktualisierungen noch verändern)
Kosten und Leistungen
- Reisepreis: € 870,-
- Bei eigener An-/Abreise bis/ab Krakau: € 790,- (Zusteigemöglichkeit am 2. Reisetag gegen 7.00 Uhr in Krakau)
- Flugreise auf Anfrage möglich (bis/ab Lemberg oder Czernowitz)
Im Preis enthalten sind:
- Vorbereitungsmaterialien
- Bahnreise Berlin–Posen/Stettin–Berlin (2. Kl.)
- Bahnreise Posen–Przemyśl/Przemyśl–Stettin im Schlafwagen (3-Bett-Abteile)
- Busreise Przemyśl–Czernowitz–Przemyśl
- 6 Übernachtungen im DZ (Bad/WC) im Hotel „Bukowina“ (Mittelklasse, am Rande der Altstadt)
- Halbpension (6 Tage)
- Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL und ukrainische Reiseleitung)
- Sicherungsschein
Zusätzliche Kosten (fakultativ):
- Einzelzimmer: € 50,-
- Schlafwagen Posen-Przemyśl/Przemyśl-Stettin im 2-Bett-Abteil: € 30,-
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