Lemberg - Lwiw

Mit Aufenthalten in Posen und Krakau und Exkursionen nach Brody und Schowkwa

„Wir waren sehr zufrieden, das Programm ist ausgewogen und nicht stressig, die Gruppe war angenehm. Eine hochinteressante Reise!!“ (Oriane und Eberhard Ruttinger, Juli 2011)

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Termine:
  • 6.4.-14.4.12
  • 20.7.-28.7.12  buchen
  • 24.8.-1.9.12  buchen
  • 29.9.-7.10.12  buchen
Preis:
  • Reisepreis: € 880,-
  • Bei eigener An-/Abreise bis/ab Krakau: € 800,- (Zusteigemöglichkeit am 2. Reisetag gegen 7.00 Uhr in Krakau), bis/ab Lemberg (z.B. Flug): € 740,-
  • Über Flugmöglichkeiten informieren wir Sie gerne
Kombinierbar mit: Landkarte der Reise anschauen

Unsere Reise in die „Stadt der Löwen“, die Mitte der 1980er Jahre zur „heimlichen politischen Hauptstadt der Ukraine“ avancierte, hat folgende Themenschwerpunkte:
● Polnische, österreichische, deutsche, sowjetische und ukrainische Herrschaftsträger in der „multikulturellen“ Stadt: Auswirkungen auf Stadtbild und Bewusstsein
● Das jüdische Lemberg
● Die literarische Landschaft von Joseph Roth (Tagesexkursion in seinen Geburtsort Brody)
● Die „Ideale Stadt Schowkwa
● Chancen und Probleme der unabhängigen Ukraine
● Treffen und Gespräche u.a. mit einer Germanistin, einem Mitglied der jüdischen Gemeinde, einem Journalisten, einer Deutschlehrerin, Mitarbeitern einer Obdachlosenzeitung

Hauptstadt Galiziens und Metropole der Westukraine

Lemberg wurde 1256 gegründet und entwickelte sich im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit zu einem wichtigen Handelsplatz. Neben polnischen und ruthenischen (ukrainischen) Bewohnern prägten vor allem Deutsche, Juden und Armenier das frühe Bild der Stadt. Die Vielfalt der Bevölkerung spiegelte sich auch im Nebeneinander verschiedener Glaubensgemeinschaften wider. Sowohl die Römisch-Katholische als auch die Unierte und die Armenische Kirche hatten hier einen Bischofssitz.

Viertgrößte Stadt der KuK-Monarchie
1772 fiel Lemberg an das Habsburgerreich, veränderte unter diesem Einfluss grundlegend sein Gesicht, erlebte einen neuen Aufschwung und wurde nach Wien, Budapest und Prag zur viertgrößten Stadt der KuK-Monarchie und zur Hauptstadt des neu geschaffenen „Königreichs Galizien und Lodomerien“. Das Klima der Stadt war einerseits geprägt von kultureller Vielfalt, andererseits verschärften sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts die nationalen Gegensätze, besonders zwischen Ukrainern und Polen.

Polen, Juden, Ukrainer
Dieser Gegensatz war auch ein bestimmender Faktor der Zwischenkriegszeit, in der Lwów wieder Bestandteil des polnischen Staates war. Die Lemberger Juden, die ein Drittel der Einwohnerschaft stellten, bekamen nun auch einen aggressiven Antisemitismus zu spüren. Mit der Eingliederung in die Sowjetukraine (1939–41) gingen Deportationen und Verhaftungen und damit tiefe Einschnitte in das soziale Gefüge der Stadt einher. Während der NS-Besatzung wurde Lemberg zum Schauplatz von Pogromen der örtlichen Bevölkerung und der systematischen Ermordung der Juden durch die Deutschen. Nach Kriegsende geriet die Stadt, die – auch durch die planmäßige „Aussiedlung“ der polnischen Bevölkerung überwiegend in das nach 1945 zu Polen gehörende Breslau – 80% ihrer Vorkriegseinwohnerschaft verloren hatte, in eine europäische Randlage.

Rückkehr nach Europa
In den 1980er Jahren bestätigte Galizien seinen Ruf als „ukrainisches Piemont“, Lwiw wurde zur „heimlichen politischen Hauptstadt der Ukraine“, wichtige Impulse zur Erlangung der Unabhängigkeit gingen von hier aus. Den ukrainischen Juden ermöglichte die Perestrojka zum einen die Emigration aus den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, zum anderen das Wiederanknüpfen an die von den Nazis zerstörte und von den Sowjets tabuisierte Tradition. Es entstand wieder jüdisches religiöses und kulturelles Leben in Lemberg.
In den letzten Jahren hat sich viel getan. Viele Gebäude der Innenstadt erstrahlen in renoviertem Glanz (wenn auch oft nur die Fassaden), zahlreiche neu eröffnete Cafés und Restaurants vertreiben die sowjetische Tristesse und laden zum Verweilen ein. Ohne Übertreibung kann man das heutige Lemberg als „unentdeckte Perle“ bezeichnen, das einen Vergleich mit der Schönheit Krakaus nicht zu scheuen braucht, angesichts der noch relativ geringen Anwesenheit westlicher Touristen eher noch sympathischer und „ursprünglicher“ wirkt. Trotz aller schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die neben der Schönheit der Stadt auch sichtbar sind, ist besonders unter jüngeren Lembergerinnen und Lembergern eine Aufbruchstimmung zu spüren. Sie engagieren sich in verschiedenen politischen und kulturellen Initiativen, in ukrainisch-westeuropäischen Kooperationsprojekten, in dem nicht einfachen Bestreben, eine Bürgergesellschaft aufzubauen, mit dem Wunsch und Bewusstsein zu Europa zu gehören. Das Brüsseler Europa steht diesem Wunsch, der während der Orangen Revolution noch einmal deutlich unterstrichen wurde, eher reserviert gegenüber.
Nach den mittlerweile enttäuschten orangen Hoffnungen steht mit dem neuen Präsidenten eine Restauration überwunden geglaubter autoritärer Verhältnisse zu fürchten.

Vorgesehenes Reiseprogramm

    1. Tag
    • Abfahrt ab Berlin nach Posen (ca. 17.00 Uhr), Gelegenheit zu einer Stippvisite des schönen Marktplatzes
    • Weiterfahrt mit dem Nachtzug nach Przemyśl (ca. 22.45 Uhr)
    2. Tag
    • Ankunft in Przemyśl (ca. 11.00 Uhr)
    • Weiterfahrt mit dem Reisebus
    • Ankunft in Lemberg gegen 16.00 Uhr
    • Zeit für einen ersten Orientierungsspaziergang
    3. Tag
    • Spaziergang durch die Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe) und über den Rynok (Marktplatz). Besichtigung des armenischen Viertels, der Boim-Kapelle u.a.
    • Stadtrundfahrt mit Ausstiegen („Hohes Schloss“, St. Georgs-Kathedrale, Stryjskyj-Park, Universität u.a.): Lembergs wechselhafte Geschichte unter polnischer, österreichischer, deutscher, sowjetischer und ukrainischer Herrschaft. Die Sehenswürdigkeiten, das Alltagsleben, die Rolle der Kirche, die politische und wirtschaftliche Situation
    4. Tag
    • „Rundfahrt mit Ausstiegen durch das jüdische Lemberg“: Kulturzentrum (in der Sowjetzeit Sporthalle), Mahnmal für die Ghettoopfer, Gelände des ehemaligen Janower Konzentrationslagers, Bahnstation, von der die Nazis die Lemberger Juden ins Vernichtungslager Bełżec deportierten, Gebäude des ehem. jüdischen Krankenhauses, Synagoge, u.a.
    • Gespräch mit einem Lemberger Journalisten: Die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation der Ukraine
    5. Tag
    • Zeit zur freien Verfügung
    • Halbtagesexkursion in das Renaissancestädtchen Schowkwa (25 km von Lemberg), einer vom italienischen Architekten Cataneo angelegten „Idealen Stadt“: Basilianerkloster, römisch-katholische Kathedrale mit den Grabstätten der polnischen Adelsfamilie Żółkiewski, Wehrsynagoge, spätmittelalterliche Holzkirchen
    6. Tag Tagesexkursion nach Brody:
    • Die literarische Landschaft Joseph Roths, der 1894 hier geboren wurde, und Ansichten der ukrainischen Provinz
    • Besuch in der Schule, in der Roth Matura machte, Gespräch mit der Deutschlehrerin
    • Spaziergang durch den Ortskern
    • Besichtigung des jüdischen Friedhofes
    7. Tag
    • Die soziale Situation in der Ukraine: Informationsbesuch bei der Obdachlosenzeitung "Unter freiem Himmel"
    • Zeit zur freien Verfügung
    8. Tag
    • Bahnfahrt (ca. 7.00 Uhr) über Przemyśl nach Krakau
    • Ca. drei Stunden Aufenthalt. Möglichkeit zum Spaziergang durch die wunderbare Altstadt
    • Fahrt mit dem Nachtzug nach Stettin (ca. 18.30 Uhr)
    9. Tag
    • Weiterfahrt nach Berlin (ca. 6.00 Uhr)
    • Ankunft in Berlin (ca. 8.00 Uhr)


    (Die Zwischenaufenthalte sowie die An- und Abreisezeiten per Bahn können sich aufgrund von Fahrplanaktualisierungen noch verändern)

Kosten und Leistungen

  • Reisepreis: € 880,-
  • Bei eigener An-/Abreise bis/ab Krakau: € 800,- (Zusteigemöglichkeit am 2. Reisetag gegen 7.00 Uhr in Krakau), bis/ab Lemberg (z.B. Flug): € 740,-
  • Über Flugmöglichkeiten informieren wir Sie gerne

Im Preis enthalten sind:

  • Vorbereitungsmaterialien
  • Bahnreisen Berlin–Posen/Lemberg–Krakau/Stettin–Berlin (2. Klasse)
  • Bahnreisen Posen–Przemyśl/Krakau–Stettin im Schlafwagen (3-Bett-Abteil)
  • Reisebusfahrt Przemyśl–Lemberg
  • 6 Übernachtungen im DZ mit Bad/WC im Hotel „Wien“ (Mittelklasse, direkt im Zentrum)
  • Halbpension (6 Tage)
  • Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder und Reiseleitung (EOL und ukrainische Reiseleitung)
  • Sicherungsschein


Zusätzliche Kosten (fakultativ):

  • Einzelzimmer: € 100,-
  • Schlafwagen Posen-Przemyśl/Krakau-Stettin im 2-Bett-Abteil: € 30,-



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Armenische Straße (Thomas Reck)
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Reiterdenkmal in Brody (Thomas Reck)
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Der sitzende Christus auf der Boim-Kapelle (Thomas Reck)
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Bahnhof Lemberg (Thomas Reck)
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St. Georgs-Kathedrale (Thomas Reck)
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Holzkirche in Schowkwa (Thomas Reck)
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Jüdischer Friedhof in Brody (Thomas Reck)